Trotz Hüftfehlstellung und mit 49 Jahren sitzend im Spagat!

Bloginterview mit Heike (49) begeisterte Ballett-Tänzerin und Sisers Stretching Mitglied

Hallo liebe Heike, schön dass du dir die Zeit genommen hast für dieses großartige Bloginterview! Als du mir von deiner Geschichte kurz erzählt hast, war ich erstmals ganz Baff, richtig inspirierend und genau darauf möchte ich hier genauer eingehen um vor allem ‚ältere‘ Menschen’ bzw. auch Menschen mit einer Hüftfehlstellung zu motivieren NIEMALS an sich zu zweifeln und ihr flexy Leben zu starten, denn dafür ist es niemals zu spät!

Stell dich doch mal ganz kurz vor: Wie alt bist du? Von wo kommst du? Und was machst du täglich außer Stretchen? 😀

Vielen Dank, liebe Steffi. Also, mein Name ist Heike, ich bin 49 Jahre alt und wohne in Biberach. Ich bin verheiratet, habe eine Tochter (18 Jahre) und zwei Stiefsöhne (beide 20). Mit 37 Jahren habe ich beschlossen, meinen Beruf als Diplom-Übersetzerin an den Nagel zu hängen und mir doch noch den Traum vom Tanzberuf zu erfüllen. Seither arbeite ich als Ballettlehrerin und gebe Gymnastikkurse. Vor ca. einem Jahr habe ich die Fitnesstrainer-A-Lizenz abgeschlossen und zur selben Zeit – nachdem ich einen Bericht über Greta Pontarelli gelesen hatte – eine neue Leidenschaft für mich entdeckt: die Pole und Akrobatik.

Vielen Dank für die kurze Vorstellung. Weiter geht’s: Wann hat dein flexy Leben begonnen? Wann hattest du den Wunsch flexibler zu werden und hast es dann tatsächlich durchgezogen?

Ich habe mich zwar schon seit dem Kindesalter im Tanzunterricht mitgedehnt, aber eher sporadisch und nie sehr intensiv. Wegen meiner Hüftdysplasie durfte ich lange Zeit gar keinen Spagat mitüben. Mit ca. 35 Jahren habe ich dann beschlossen, dass ich doch noch unbedingt einen Spagat können möchte, und dafür täglich trainiert. Nach ungefähr einem Jahr war es dann soweit.

Hast du trotzdem immer an dich geglaubt? Auch wenn andere an dir zweifelten?

Als ich jünger war, war ich sehr unsicher. Ich wäre als Teenager gerne Ballettlehrerin oder Musicaldarstellerin geworden, was dann aber letztendlich daran gescheitert ist, dass ich dachte, mit der Hüfte schaffst du das eh nie. Ich habe als Kleinkind monatelang im Krankenhaus gelegen, wo ich u. A. eine Operation hatte, nach der sich die eine Hüfte jedoch wieder zurückverschoben hat. Und da ich mich kein zweites Mal hatte operieren lassen, hat mir ein Arzt, als ich 15 Jahre alt war, gesagt, dass ich mit spätestens 25 Jahren im Rollstuhl sitzen werde. Das hat sich dann ja glücklicherweise als Fehlprognose erwiesen. 😀

In der Zwischenzeit hat sich meine Einstellung dazu, was ich kann und was nicht, zum Glück jedoch grundlegend verändert. Mein Körper hat mir schließlich gezeigt, dass er trotz Fehlstellung zu ganz vielem in der Lage ist.

Was hat dich angetrieben einfach weiterzumachen?

Der unbedingte Wille, es mir selbst zu beweisen, dass ich das eben doch kann.

Was war für dich das wichtigste was du über deinen Körper im Bezug auf die Flexibilität gelernt hast?

Das alles möglich ist! Man muss es nur wollen, Geduld haben und hart genug daran arbeiten. Und das gilt immer. Ganz unabhängig vom Alter.

Wie hat sich dein Leben durch das Stretching verändert?

Stretching ist für mich eine ganz große Bereicherung für mein Leben. Es ist einfach ein schönes Gefühl, beweglich zu sein. Man fühlt sich – gerade auch wenn man schon etwas älter ist – einfach viel besser und sehr viel jünger, als man eigentlich ist. Es gab mal eine Zeit, in der ich nicht so viel dehnen konnte, und ich habe mich tatsächlich um Jahrzehnte gealtert gefühlt. Das möchte ich möglichst nie wieder erleben. 😀

Welche Sätze motivieren dich täglich?

Wenn es einen Satz gibt, der mir seit jeher im Gedächtnis geblieben ist, dann ist es der Satz, den mir mein Grundschullehrer ins Poesiealbum geschrieben hat: „Um das Mögliche wahr werden zu lassen, müssen wir das Unmögliche wagen.“ Und wenn ich mal nicht so viel Lust zum Dehnen habe, was glücklicherweise relativ selten vorkommt, dann erinnere ich mich daran, dass ich mich hinterher immer besser fühle, und sag mir: „Augen zu und durch!“

Was liebst du denn ganz speziell am Stretching? Was stretcht du am liebsten?

Am liebsten und wenigsten dehne ich momentan Beine, weil ich das schon ganz gut kann und es sich super anfühlt, und am unliebsten und meisten zurzeit Rücken und Schultern, weil sich das noch kein bisschen angenehm anfühlt. Aber dann sage ich mir, dass alles Einfache mal schwer war, und freue mich über die kleinen Veränderungen, die ich spüre.

Was möchtest du vor allem den Leuten mitgeben die an sich zweifeln weil sie meinen sie wären ‚zu alt‘?

Man ist meiner Meinung nach niemals zu alt für irgendetwas, das man gerne tun möchte. Es gibt so viele tolle Menschen, die schon etwas älter sind und die tollsten Dinge beherrschen! Schaut euch mal ein Video von Greta Pontarelli an und ihr werdet begeistert sein, was sie mit ihren 67 Jahren alles kann! Sie hat erst mit 59 Jahren mit dem Poletraining begonnen. Ich finde das so unglaublich faszinierend! Ein weiteres Vorbild für mich ist auch eine ehemalige Kursteilnehmerin von mir. Sie war Ende 60 und machte den Spagat in alle Richtungen als wäre das das Einfachste der Welt. Aber sie hat dafür auch jeden Tag trainiert.

Heike (49) begeisterte Ballett & Pole-Tänzerin und Sisers Stretching Mitglied

Was für ein Gefühl war das für dich zum ersten Mal im Spagat zu sitzen? Beschreib uns das mal etwas genauer, was ist in deinem Kopf und auch Körper vorgegangen?

Oh, das war einfach fantastisch! Vor allen Dingen, dass es sich auf einmal gar nicht mehr unangenehm angefühlt hat, das war richtig toll! Und ich war zugegebenermaßen auch ein bisschen stolz auf mich.

Wie sieht deine aktuelle Stretchingroutine aus? Wie oft strechst du pro Woche?

Ich stretche 5 bis 6 Mal pro Woche, vor allem, wie gesagt, den Rücken und die Schultern, weil die es besonders nötig haben. Mein Training beläuft sich insgesamt jedes Mal auf ca. 1,5 Stunden. Eine Zeit lang war ich auch schon bei 2,5 Stunden, aber da kam ich dann ins Übertraining, deshalb habe ich das wieder reduziert, schließlich brauche ich ja noch ein bisschen Energie für meine Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen. 😀

Was sind deine nächsten Ziele? Träumst du immer noch groß?

Meine momentanen Ziele sind der freistehende Hand- und Unterarmstand, eine schönere Brücke und an der Pole der Inverted Butterfly. Ja, ich träume tatsächlich immer noch groß. Eines Tages möchte ich einen Bogengang können, in der Kobra meine Zehen zum Kopf bringen und wer weiß, was sonst noch alles. 😀

Welchen wichtigen Tipp oder Motivation möchtest du der Stretching-Community unbedingt mitgeben?

Wenn ich es mit meiner Hüfte geschafft habe, den Spagat zu erlernen, dann schafft ihr das allemal! Genauso verhält es sich mit jedem anderen Ziel, egal ob es Stretching, Akrobatik oder was auch immer betrifft. Ihr müsst nur dranbleiben, fleißig üben, Geduld haben und an euch glauben. Um es mit Steffis Worten zu sagen: „Ihr schafft das!“

DANKE liebe Heike für das inspirierende Interview! Wer Heike mal persönlich kennenlernen möchte, findet sie in der Tanzschule Desweemèr in Biberach.

Ich danke dir, liebe Steffi, dass du mich zu diesem Interview eingeladen hast. Ich fühle mich wirklich sehr geehrt! 🙂

Ich hoffe, dass dieses Interview dich ein bisschen motivieren konnte und vielleicht hat es ja auch etwas in DIR verändert! Hier sieht man wieder mal, dass es NIEMALS zu spät ist und das man ALLES schaffen kann, auch wenns zu Beginn nicht so aussieht! JEDER kann seine Träume verwirklichen, das Zauberwort ist: TUN! Also meine Lieben los gehts: Ran an das heutige Stretching! #letsgetflexy


Happy Stretching,
Eure Steffi ♥